Ohne Worte

Es gibt sie, diese Texte, die für sich sprechen. Der folgende hängt über meinem Schreibtisch. Und über dem von so manch anderen Vikar.innen. Ob auch unsere Mentor.innen davon wissen?…

1. Ich bin dein Vikar, der dir vom Landeskirchenamt zugewiesen ist, du sollst keine anderen Vikare haben neben mir.

2. Du sollst dir kein falsches Bild von mir machen: Ich bin weder dein Knecht noch Lückenbüßer im Predigtplan. Denn ich, dein Vikar, bin ein eifernder Vikar, der deine Fehler an deinen Töchtern heimsucht bis ins dritte oder vierte Glied, aber Barmherzigkeit erweise ich an ihnen, wenn sie mich lieben.

3. Du sollst die Arbeitskraft deines Vikars nicht missbrauchen, denn er wird den nicht ungestraft lassen, der ihn mit Arbeit überlastet.

4. Gedenke des Feiertages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage lang arbeitet dein Vikar im Predigerseminar, am siebten Tag sollst du ihn ruhen lassen.

5. Du sollst deinen Vikar in Ehren halten, auf dass du deine Pfarrstelle lange behaltest.

6. Du sollst die Motivation und Energie deines Vikars nicht abtöten.

7. Du sollst die Beziehungskiste deines Vikars sich ungestört entfalten lassen.

8. Du sollst deinen Vikar nicht die Ideen klauen.

9. Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinen Vikar, sondern in deinem Abschlussbericht zugeben, dass er eine Posaune Gottes ist, du hingegen nur eine Orgelpfeife.

10. Du sollst nicht begehren deines Vikars Weib, Auto, Ausbildungszeit, Morgenschlaf, Feierabend, Bierkiste, noch alles, was sein ist.

(Quelle: unbekannt)

…Gibt’s das auch in Probedienst?!

Die erste Jahreszeit

Ich mag den Herbst. Er ist zwar nicht meine Lieblingsjahreszeit, aber nach dem Winter immerhin auf dem zweiten Platz.

Im Herbst riecht die Luft hölzern.
Und das Licht zieht sich langsam zurück.
Nicht nur die Farben sind satt.
Und die Sonne verneigt sich.
Vor dem Anfang.
Und ich weiß dann wieder:
Eine bleibende Stadt haben wir hier nicht,
sondern wir sind auf der Suche nach der zukünftigen.

Eine Freundin hat mal eine schöne Zeile geschrieben: „Es ist doch erstaunlich, wie lang Schatten werden können, wenn der Herbst geboren wird.“ Treffender kann man es nicht sagen.

Wer bin ich?

Heute mal ein Rätsel.

„Ich würde mich euch gerne vorstellen…? Ich bin noch relativ jung, weil ich erst Ende der 90er Jahre geboren bin. Aber mein Lebenslauf beginnt schon außergewöhnlich, denn ich habe viele Eltern. Und da, wo ich herkomme, gilt eine andere Zeitrechnung. Deshalb wird mein Geburtstag jedes Jahr an einem anderen Tag gefeiert, nämlich am 14. Sonntag nach Trinitatis (das war letzte Woche). Mein Geburtstag wird also jedes Jahr an einem Sonntag gefeiert, und manchmal zusätzlich noch nachträglich. Cool, ne? Das Schöne daran ist, das immer viele Leute kommen. Schade ist, dass fast nur Frauen kommen, obwohl ich auch immer so viele von meinen männlichen Freunden einlade (Wie macht ihr das? Freue mich über Tipps und Tricks ;-)…).

Also für die diesjährige Feier hatte ich mir extra ein genderneutrales Unisex-Motto ausgesucht (in den letzten Jahren waren die Einladungen auch vom Layout her eher einseitig gewesen). Denn mein Bruder Aaron sagt immer: Wie du sie anrufst, so rufen sie zurück. Oder so ähnlich. Das hatte ich mir zu Herzen genommen.

Bei einer nachträglichen Feier heute waren dann auch wieder überdurschnittlich viele vom „starken Geschlecht“ mit von der Partie (hihi, lustiges Wortspiel: Partie…Party…:-D). Ich kannte die alle überhaupt nicht und konnte mir ihre Namen auch gerade so nur merken: Phoebe, Prisca, Persis und die Mutter von einem, den ich nur vom Hörensagen kenne. Das war irgendwie lustig, so viele verschiedene Mädels auf einem Haufen. Alt und jung, mit und ohne Job/Geld/Ansehen…voll verrückt eigentlich, dass die sich verstanden haben. Ob das was mit diesem Gott zu tun hat?

Jetzt habt ihr’s bestimmt schon erraten, oder? Genau. (Mit verstellter, tiefer Stimme) Mein Name ist Sonntag. Miriam Sonntag.“